01  —  Methodik

Wie wir
arbeiten.

Methodik ist mehr als Werkzeug. Sie ist die Reihenfolge, in der Entscheidungen fallen, die Art, wie Informationen weitergegeben werden, und die Grundlage, auf der ein Tragwerk auch in zehn Jahren noch nachvollziehbar bleibt.

Grundlage

Das Modell ist das
Original.

Klassisch entsteht aus einer Skizze ein Plan, aus dem Plan ein Berechnungs­modell, aus der Berechnung wieder ein Plan. Die Information geht durch mehrere Hände, und mit jedem Übergang verliert sie an Präzision.

Wir kehren die Reihenfolge um. Geometrie, Material und Lasten werden direkt im parametrischen Modell aufgesetzt. Plan und Bericht sind Ausgaben dieses Modells — und können jederzeit neu generiert werden, wenn sich etwas ändert.

Das hat eine Konsequenz, die für die Branche neu ist: das Modell überlebt das Projekt. Es kann später erneut befragt werden, ohne dass jemand alte Pläne rückwärts in eine Berechnung zurückführen muss.

Ablauf

Vier Phasen,
durchgängig.

Wie ein typisches Projekt bei uns durchläuft. Die Phasen folgen SIA 103, sind aber durch die Modell-Logik anders gewichtet: vorne mehr Aufwand, hinten weniger Reibung.

Phase 01

Aufnahme & Konzept.

Programm, Geometrie, statische Randbedingungen. Aufnahme im Gespräch mit Bauherr und Architektur — und im Modell. Bereits hier werden die Parameter definiert, die das Tragwerk später charakterisieren: Spannweiten, Geschosshöhen, zulässige Lastbereiche.

Ergebnis: parametrisches Konzept­modell mit Tragsystem-Vorschlag, Vorbemessung kritischer Bauteile, Grundlage für Variantenstudie.

Phase 02

Variantenstudie.

Drei bis fünf Varianten im selben Modell, mit konsistenten Annahmen. Verglichen werden Tragsystem, Material, Wirtschaftlichkeit und CO₂-Bilanz. Die Entscheidung fällt auf Basis nachvollziehbarer Kennzahlen, nicht auf Erfahrungswerten allein.

Ergebnis: Entscheidungsmatrix mit Empfehlung. Die Variantenwahl wird Teil der Projekt­dokumentation und bleibt nachprüfbar.

Phase 03

Bauprojekt.

Detaillierte Bemessung, Nachweis­führung, Schalungs- und Bewehrungspläne, Materialinventar. Übergabe an Architektur und Fachplanung im openBIM-Workflow.

Ergebnis: prüffähiger statischer Bericht, Statiker-Pläne, IFC-Modell, Mengen­auszug, CO₂-Bilanz. Stand bewilligungsfähig.

Phase 04

Ausführung & Übergabe.

Ausführungsbegleitung, fachtechnische Bauüberwachung bei Bedarf, Pflege des Modells bis zur Fertig­stellung. Das Modell wird abschliessend als digitaler Zwilling übergeben.

Ergebnis: realisiertes Tragwerk, dokumentiertes Modell. Grundlage für spätere Anpassungen, Umnutzungen oder Rückbau — auch Jahre nach Übergabe.

Lebenszyklus

Vom Vorprojekt
bis zum Rückbau.

Materialinventar und Recyclingstrategie sind bei uns nicht Pflicht­übung am Projekt­ende, sondern Eingangsparameter im Modell. Was später getrennt werden muss, wird heute getrennt geplant — sortenrein, kreislauf­fähig, dokumentiert.

Wir orientieren uns an den anerkannten Rahmenwerken: SIA 2032 für graue Energie, EN 15978 für ökologische Lebenszyklus­bewertung, KBOB-Ökobilanzdaten für die Material­bewertung. Der Datensatz entsteht aus dem Modell, nicht parallel dazu.

Konkret heisst das: jede Mengen­ermittlung enthält Trennbarkeits- und Kreislauf­bewertung. Jeder Tragwerksvorschlag wird auch unter dem Blickwinkel beurteilt, wie er in 50 Jahren auseinander­gebaut wird. Das ist keine Zusatzleistung — es ist Bestandteil der parametrischen Logik.

Normen

Was wir einhalten.

Die Methodik nimmt der Norm nichts ab. Im Gegenteil: das Modell erlaubt eine vollständigere und konsistentere Nachweisführung als die klassische Plan-für-Plan-Berechnung.

SIA 260
Grundlagen der Projektierung von Tragwerken — Einwirkungen, Sicherheits- und Zuverlässigkeitsfaktoren, Tragwerksklassen.
SIA 261 / 261/1
Einwirkungen auf Tragwerke. Erdbeben­bemessung für Bauwerksklassen I und II nach SIA 261, Verfahren der statischen Ersatzkräfte und der modalen Antwortspektren­analyse.
SIA 262
Betonbau — Bemessung und konstruktive Durchbildung, Bewehrung, Anforderungen an Beton.
SIA 263
Stahlbau — Bemessung, Anschlüsse, Stabilitätsnachweise, Ermüdung bei dynamisch belasteten Konstruktionen.
SIA 265
Holzbau — Bemessung von Holzbauten, Verbindungen, Brand- und Erdbebennachweis im Holzbau.
SIA 267
Geotechnik — Gründungen, Setzungsnachweise, Baugruben, geotechnische Eingangsgrössen.
SIA 103
Honorarordnung für Bauingenieurinnen und Bauingenieure — Grundlage für die Leistungs- und Honorarvereinbarung.
SIA 2032
Graue Energie von Gebäuden — Bilanzierung im Lebenszyklus.
SIA 2051
Building Information Modelling — Grundlagen zur Anwendung der BIM-Methode in der Schweiz.
Eurocode 0 — 9
Europäische Bemessungs­normen für Bauwerke, in der Schweiz parallel zu den SIA-Normen anwendbar. Verwendet bei internationalen Projekten und für Vergleichs­nachweise.
EN 15978
Bewertung der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden — Lebenszyklus­methodik.
ISO 19650
Internationale Norm für BIM-Management. Grundlage für LOIN-Definitionen (Level of Information Need) bei der Modell­übergabe.

openBIM

Warum
open?

BIM heisst nicht automatisch openBIM. Viele Büros liefern Modelle in geschlossenen, lizenz­gebundenen Formaten — wer mitarbeiten will, muss dieselbe Software haben.

Wir liefern im offenen IFC-4-Standard, koordinieren über BCF, dokumentieren nach LOIN. Ihre Architektur, Ihre Fachplanung, Ihr Generalunternehmer können in der Software arbeiten, die sie ohnehin haben — Revit, Archicad, Allplan, Vectorworks. Die Datenhoheit bleibt bei den Beteiligten.

Das ist keine technische Frage, sondern eine Frage der Haltung. Daten sollten nicht der Software gehören, sondern dem Projekt. Wir folgen damit den Grundsätzen von buildingSMART und Bauen Digital Schweiz.

 Kontakt

Vom ersten Gespräch
zur tragfähigen Lösung.

Klare Methodik, dokumentierte Schritte. Zuerst hören wir zu, dann rechnen wir.